Durch die Gegend reisen und immer wieder Neues entdecken, für die Herausgeberin und Verlegerin Sandra Uschtrin blieb das lange ein Traum. Eine Woche auf der Leipziger Buchmesse, mehr Urlaub saß viele Jahre lang nicht drin. Bis sie eine Lösung fand, wie sich ihr Drang nach Freiheit mit ihrer mindestens ebenso großen Leidenschaft für ihre Arbeit verbinden lassen könnte.

Verlegerin Sandra Uschtrin: “Was auf dem Monitor zu sehen ist, ist überall gleich, egal, von wo aus ich arbeite.“

Mit einem Bus und zwanzig Kisten ist die Verlegerin seit einiger Zeit als digitale Nomadin unterwegs. Mal mehrere Monate hier, mal dort, meistens in Ferienwohnungen. Ein großer Topf, eine gute Pfanne und scharfe Messer sind immer dabei. An ihrem Arbeitspensum hat sich gar nichts geändert, und auch die Zusammenarbeit im Team verläuft wie immer: digital. Dafür bieten die Pausen bieten mehr Abwechslung. Sandra Uschtrin genießt es, mittags in der Sonne zu sitzen und in die Landschaft zu schauen.

„Es ist kein Urlaub, sondern ein „Eine-Zeitlang-in-einer-anderen-Umgebung-leben“, erzählt sie während unseres Videocalls. „Sich immer wieder neu überlegen zu können, wo es als nächstes hingehen könnte, finde ich sehr reizvoll.“ Seitdem sie selbst von unterwegs aus arbeitet fällt ihr erst auf, wie viele ihrer Autorinnen und Autoren ihren Schreibtisch in Schweden stehen haben, oder in Bordeaux. „Bei unserer Art zu arbeiten ist das komplett egal“, sagt die Verlegerin und lächelt zufrieden in die Kamera. „Das ist das Schöne.“

Kennengelernt hatten wir uns 2020, telefonisch. Um uns herum war Corona, das öffentliche Leben stand still, an ein persönliches Treffen war nicht zu denken. Für meinen Blog Mehr als Maloche war ich auf der Suche nach Menschen, die in dieser Zeit mit beruflichen Umbrüchen zu kämpfen hatten. “Tut mir leid“, winkte Sandra Uschtrin damals ab. „Dafür bin ich kein gutes Beispiel.“ Staunend hörte ich mir an, was die Verlegerin über ihre Arbeit und das einzigartige Konzept der von ihr gegründeten Autorenwelt erzählte, die so etwas wie eine digitale Fair-Trade-Buchhandlung ist: Autorinnen und Autoren werden mit sieben Prozent am Erlös der Buchverkäufe beteiligt.

Vor ein paar Wochen entdeckte ich ihr Buch „Schreiben mit ChatGPT für Autorinnen und Autoren“, sie hatte es am Bodensee geschrieben, wo sie das Haus von Freunden hütete. Da wurde ich neugierig! Und so hat es Sandra Uschtrin doch noch auf meinen Blog geschafft. #enkeltauglich

Mit dem Bus und 20 Kisten unterwegs