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Design: Steffen Haas/IMAL

Immer alleine am Schreibtisch? Das geht offensichtlich auch anderen ganz heftig auf die Nerven. „Working alone sucks!“, mit diesem Motto wirbt Eva Lichner für ihr Coworking-Space Mates. Auch Sina Brübach-Schlickum drohte in ihrem Home-Office in Einsamkeit und Haushaltsersatzleistungen zu versinken. Stattdessen gründete sie vor acht Jahren das Combinat 56, das sich inzwischen als ein inspirierendes Lab für zukunftsweisende Ideen versteht.

Riesenandrang in der Import Export Kantine, der „guten Stube“ im Kreativquartier an der Dachauer Straße. Die wenigsten Künstler, Autoren, Musiker, Designer, Spiele-Entwickler oder Filmemacher können sich im teuren München noch ein eigenes Büro leisten. Beim Stammtisch Nr. 15 geben Jürgen Enninger und sein Kompetenzteam für die Kultur- und Kreativwirtschaft deshalb einen Überblick und stellen einige der Münchner Coworking-Modelle vor.

Die Konzepte der verschiedenen Anbieter sind durchaus unterschiedlich, der Saxophonist Marcio Schuster und der Gitarrist Luis Hölzl geben im vorderen Bereich ihres Coworking Holzschuh sogar Musikunterricht. Wer „was mit digitalen Medien“ macht, kann sich auch beim Media Lab Bayern um freie Arbeitsplätze bewerben. Nicht nur die Preise variieren (zwischen 250 und 370 Euro für den Monatspass zum Beispiel), auch  Ausstattung und Atmosphäre unterscheiden sich zum Teil erheblich. Tomatenpflänzchen, wie sie Hubert im Impact Hub mit Hingabe pflegt, kann ich mir in anderen Coworking Spaces kaum vorstellen. Dafür fühlen sich Geschäftspartner aus dem gehobenen Business vielleicht in einem klassischen Office-Ambiente wohler.

Ich spaziere an diesem Abend mit einem Gutschein für das Combinat hinaus – und der Bestätigung, dass um mich herum fast alle Selbstständigen auf der Suche nach einer für sie passenden Arbeitsform sind. Das Bedürfnis nach Austausch ist groß, keine Frage. Aber wie viel Ablenkung darf es am Ende wirklich sein? Und nicht zuletzt: Was darf es kosten? Da fangen die eigentlichen Fragen erst an.

Alleine arbeiten nervt
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