Amelie Mertin_kleinSieht gemütlich aus, denke ich manchmal. Dann sehe ich Amelie Mertin  vor der großen Glasfront sitzen, die Füße auf der Bank, den Laptop auf den Knien. Ein nettes Plätzchen, inmitten zartgrüner Setzlinge und mit direktem Blick auf den Eingang zum Impact Hub. An anderen Tagen entdecke ich sie an einer der Sitzinseln, mal vorne, mal weiter hinten, einen kleinen Wall von Unterlagen und Ordnern um sich herum. Was ich nicht wusste: Manchmal verzieht sie sich auch nach hinten in die Arena und macht es sich in der Hängematte gemütlich.

Meine kleine Feldforschung hat mich zu der Frage inspiriert: Wie ist das, wenn man in einem Coworking Space morgens die freie Wahl hat? Mir selbst stellt sich die Frage nur bedingt: Unsere WG ist in einem der gläsernen Team-Büros untergebracht, mit Tür und einer überschaubaren Auswahl von Plätzen.

Sag mal Amelie, weißt du morgens beim Reinkommen schon, wo du dich hinsetzen wirst?

Das passiert spontan. Obwohl, wenn ich so drüber nachdenke… Intuitiv steuere ich eher Tische an, an denen noch niemand sitzt. Wobei es mich überhaupt nicht stört, wenn andere dazu kommen, im Gegenteil. Ich brauche diese Arbeitsatmosphäre um mich herum. Immer nur im Home Office, dass wäre für mich unmöglich.

Hast du einen Lieblingsplatz?

Es gibt Plätze, an denen ich häufiger sitze. Aber es kommt vor allem darauf an, ob ich grad besonders viel Ruhe brauche oder nicht. Konzepte entwickeln muss ich zum Beispiel nur selten, bei mir liegt vor allem die Kommunikation für das Projekt Querfeld. Wir verkaufen krummes und schräges Gemüse, das von vielen Händlern aussortiert wird – ursprünglich hießen wir deshalb Ugly Fruits. Ich nehme Bestellungen auf, erstelle Angebote und halte den Kontakt zu Kunden.  Das geht manchmal sogar mit dem Laptop auf den Knien! Deshalb setze ich mich gerne vorne an den Empfang, wenn ich Lust auf Austausch habe.

Ich habe dich allerdings auch schon sehr konzentriert und eher versteckt hinter einer Säule sitzen sehen…

Weiter hinten im Raum ist es ruhiger, das stimmt schon. An manchen Tagen setze ich mich bewusst etwas abseits, damit ich mich konzentrieren kann. Manchmal will ich auch gar nicht angesprochen werden.

Nun ist das Hub ja eher eine Halle, groß und hoch, mit vielen Leuten. Lenkt dich das Drumherum nicht ab?

Ich mags gern, so ein bisschen Gewusel. Deshalb würde ich auch niemals nach oben auf die Galerie gehen, das ist mir zu fernab. Wenn es mir zu laut wird, setze ich Kopfhörer auf oder ich verziehe mich in die Hängematte. Da hat mich noch nie jemand angesprochen!  (Amelie lacht) Vielleicht denken alle, ich schlafe.

Du bist vor anderthalb Jahren als Fellow hierhergekommen, Querfeld ist über das Eight Billion Lives-Programm vom Impact Hub unterstützt worden. Welche Rolle hat das Umfeld in der Gründungsphase gespielt?

Querfeldein_klein
Fruit-Art

Es gibt zwei Standorte, Berlin und München. Deshalb war es für Stefan Kukla und mich ganz wichtig, dass wir einen Raum hatten, in dem wir zusammenarbeiten konnten. Es ist ein Unterschied, ob man ein soziales Unternehmen aufzieht oder ein Business-Start-up gründet. Wir konnten uns hier mit Leuten austauschen, die selbst in dem Thema drinstecken und wurden zum Beispiel im Marketing von Experten unterstützt, die aus dem Netzwerk kommen. Diesen Ort zu haben, wo man sich voll und ganz auf die Sache fokussieren kann, mit Menschen, die einen motivieren, das war entscheidend für den Erfolg.

 

Und noch ein “Hubber” auf meinem Blog:

Amelie Mertin wechselt gerne, Thomas Michahelles schätzt seinen Stammplatz im Hub. Mehr als seinen Laptop braucht der Online-Experte nicht zum Arbeiten. Seine Firma wertet das Buchungsverhalten von Reisenden aus, der Hamburger betreut von München aus das Geschäft in Mittel- und Osteuropa. Auf welchen Wegen er vom Radio zum E-Commerce kam, das erzählt der Kommunikationswissenschaftler auf meinem Berufswege-Blog Mehr als Maloche.

Fotos: Gunda Achterhold

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